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Obstmarkt und Platz: Die wichtigsten Fragen und Antwort zur Pflästerung

Am Infostand des Herisauer Gemeinderats zur Abstimmungsvorlage «Obstmarkt und Platz» war unter anderem die Art der vorgesehenen Pflästerung ein Thema. Wir haben die aufgetauchten Fragen und Antworten notiert. Gleichzeitig zeigen die Erläuterungen, wie vielschichtig nur schon ein Teilbereich eines Projekts ist.

  • Für die Fussgängerbereiche von Obstmarkt und Platz ist eine ähnliche Pflästerung wie beim Trottoir an der oberen Gossauerstrasse vorgesehen.

    Für die Fussgängerbereiche von Obstmarkt und Platz ist eine ähnliche Pflästerung wie beim Trottoir an der oberen Gossauerstrasse vorgesehen.

Wieso braucht es auf dem Obstmarkt und auf dem Platz eine Pflästerung?
Zum einen steht das Ortszentrum von Herisau im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS). Das ISOS trägt wesentlich zum Erhalt der schweizerischen Baukultur bei. Die ISOS-Empfehlung lautet: «Im ganzen Ort ist von jeglicher Asphaltierung der gepflasterten Gassen und Vorplätze abzusehen.» Zum anderen hat die vorgesehene Pflästerung in Herisau Tradition. Neben Obstmarkt und Platz sind weitere Flächen im Zentrum gepflästert, zum Beispiel die Vorplätze von Gemeindehaus, Post und Altem Zeughaus, die obere Gossauerstrasse oder die Oberdorfstrasse. Dies trägt zum schönen Ortsbild bei.

Was sind die verschiedenen Ansprüche an eine neue Pflästerung?
Die Pflästerung muss die vorgegebenen Normwerte erfüllen. Einerseits ist die Ebenheit ein wichtiges Kriterium, gerade auch für Personen im Rollstuhl. Deshalb sind geschliffene Guber-Quarzsteine aus Alpnach vorgesehen. Andererseits dürfen sie bei Nässe nicht rutschig werden. Deshalb werden sie zusätzlich geflammt, das heisst mit Wärme so behandelt, dass die geschliffene Fläche wieder poröser und damit griffiger wird.

Was ist mit dem Fugenabstand?
Der Fugenabstand entscheidet mit, wie sich der Belag beim Gehen oder beim Befahren mit einem Rollstuhl anfühlt. Der Abstand wird so eng wie möglich gehalten. Wird er aber zu klein geplant, wird das Zusammenfügen der Steine, die nicht gänzlich formgleich sind, erschwert.

Gibt es ein Beispiel in Herisau, wie die Pflästerung aussehen soll?
Das Trottoir in der oberen Gossauerstrasse entspricht in den Punkten Ebenheit und Steinbehandlung der Pflästerung, wie sie für Obstmarkt und Platz vorgesehen ist. Diese gilt für Procap, die die Projekte auf ihre Behindertentauglichkeit prüft, als gut, weshalb sie als Referenzobjekt für andere kommunale Bauamtsvertreter dient. Der Landsgemeindeplatz in Trogen dagegen ist mit grösseren Steinformaten ausgeführt, diese sind in Herisau nicht üblich und passen nicht zur vorhandenen, traditionellen Pflästerung.

Erhalten Fahrbahn und Plätze die gleiche Oberfläche?
Nein. Die Strasse zwischen Platz und Obstmarkt erhält eine Bogenpflästerung mit Guber-Pflastersteinen mit einer Kantenlänge von 11 bis 13 Zentimetern. Die Fugen werden mit Mörtel vergossen, so dass die Wirkkräfte aus dem Verkehr gut aufgenommen werden. Auf den Plätzen wird eine ungerichtete Pflästerung mit variablen Steingrössen (11, 13 oder 16 Zentimeter Kantenlänge) verbaut. Dieser sogenannte Passeverband weist keine eindeutige Richtung auf und stärkt somit die Einheit und Gleichwertigkeit der historischen Gebäude am Obstmarkt und am Platz. Die Fugen füllt dort ein Splitt-Sand-Gemisch. Die Details bezüglich Pflästerung werden im Lauf der Detailplanung mit den Anspruchsgruppen begutachtet und dann nach Abwägung aller Interessen entschieden.

Gibt es auch Nachteile einer Pflästerung?
Ja, zum einen ist die Lärmbelastung bei einer Pflästerung bei gleichem Tempo der Fahrzeuge höher. Zum anderen ist eine Pflästerung für Personen im Rollstuhl nicht die optimale Oberfläche. Die Vorgaben für barrierefreies Bauen werden aber – wie schon bei der oberen Gossauerstrasse – mit Procap besprochen und eingehalten. Es muss auch bedacht werden, dass Menschen mit Beeinträchtigungen nicht die gleichen Bedürfnisse haben. Rollstuhlfahrer etwa bevorzugen geringen Rollwiderstand und keine Kanten. Blinde hingegen brauchen die Kanten zur Strasse, um sich orientieren zu können.

Warum wird nicht einfach asphaltiert?
Neben den denkmalschützerischen Argumenten ist eine Pflästerung auch langlebiger. Der Belag altert kaum, im Gegensatz zu Asphalt. Zudem ermöglicht sie eine flexiblere Nutzung, zum Beispiel für temporäre Verankerungen, ohne dass Belagsschäden entstehen. Nicht zuletzt kann das Wasser bei einer Pflästerung mit Splitt-Sandfugen versickern und wieder verdunsten, was sich positiv aufs Mikro-Klima auswirkt. Dies ist in Zeiten immer heisserer Sommer ebenfalls ein Argument.

Eine Publikation der Gemeinde Herisau.

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