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Die Appenzeller sind Pioniere des modernen Brückenbaus

Noch bis am 29. Dezember lädt das Museum Herisau zu einer Sonderausstellung zum Thema «Strassen und Brücken – Quer durchs Land» ein. Kurator Thomas Fuchs erzählt, wie Napoleon die Mobilität in der Region geprägt hat.

  • Thomas Fuchs vor einem Modell der ehemaligen Holzbrücke im Hundwilertobel.

    Thomas Fuchs vor einem Modell der ehemaligen Holzbrücke im Hundwilertobel.

Wer an das Appenzellerland und seine Strassen denkt, hat wahrscheinlich die kurvenreichen Serpentinen auf die Schwägalp im Kopf. Oder den fehlenden Autobahnanschluss. «Der Mensch ist mobil; ohne Wege, Strassen und Brücken geht nichts», sagt Thomas Fuchs. «Dabei gab es bis um 1800 keine befahrbaren Strassen in der Region.» Um der Bevölkerung einen Einblick in die Entwicklung des Strassennetzes zu ermöglichen, hat der Kurator des Museums Herisau eine Sonderausstellung realisiert. «Gerade der Kanton Appenzell Ausserrhoden ist spannend, weil er mit vielen Hügeln, Steilhängen und Tobeln eine anspruchsvolle Topografie aufweist.»

Gastarbeiter aus Italien
Eine wichtige Rolle im modernen Strassenbau nahm Frankreich ein. «Nach dem Prinzip des dort entwickelten Baus von Chausseen wurden von 1740 bis 1780 die wichtigen Transitachsen durchs schweizerische Mittelland erstellt», sagt Fuchs. «In der Zeit der Helvetik befahl Napoleon den Bau von Fahrstrassen im Appenzellerland.» Dieses Ziel verfolgte ab 1803 auch die wiedereingesetzte Regierung von Appenzell Ausserrhoden. Das Augenmerk lag zunächst auf den Haupttransitachsen St. Gallen – Gais – Altstätten sowie St.Gallen – Herisau – Lichtensteig. «Die nicht erschlossenen Gemeinden hatten natürlich ein Interesse, sich in dieses Netz einzuklinken.» Dadurch entstand entlang dieser Hauptachsen ein chaotisches Wegsystem, das durch Strassenzölle und Privatspenden finanziert wurde. «Für Ordnung sorgte erst das Strassengesetz, das 1851 an der Landsgemeinde angenommen wurde. Ziel war es, jede Gemeinde mit einer Fahrstrasse zu erschliessen. In dieser Phase kamen auch erste italienische Gastarbeiter in die Schweiz.»

Die Brücke im Gmündertobel
Ein besonderes Augenmerk galt seit jeher den Brücken. «Im Gebiet konnten nicht einfach Strassen gebaut werden, sondern es mussten tiefe Tobel überwunden werden.» Schon früh wurden Holzbrücken gebaut. Als eine grosse Herausforderung stellte sich das Gmündertobel zwischen Stein und Teufen heraus. Dort entstand 1907 die damals längste Eisenbetonbrücke Europas. «Auch später realisierte man in Ausserrhoden wegweisende Bautechniken.» Die Strassenlandschaft veränderte sich mit den motorisierten Fahrzeugen nochmals. «1910 schaffte die AG Cilander den ersten Lastwagen an. Mit der einsetzenden Entwicklung mussten Brücken verstärkt und die Kiesstrassen staubfrei, das heisst geteert, werden.» Auch bei der Asphaltierung nahm Ausserrhoden eine Vorreiterrolle ein.

Im Museum finden sich Ausstellungsstücke rund um die Geschichte des Strassennetzes – wie Fotografien, Nummernschilder oder Brückenmodelle. «Ich hatte schon lange im Hinterkopf, einen Schwerpunkt dazu zu machen», sagt Fuchs. «Über Jahre habe ich Objekte gesammelt, nach Leihgaben angefragt und Hinweise aus der Bevölkerung geprüft. So kam Stück für Stück zusammen.» Das Museum lagert rund 11‘000 Objekte, wobei nur ein Bruchteil ausgestellt wird. «Zu unserer Verantwortung gehört es, die Gegenstände mit ihren Geschichten zu bewahren und zu katalogisieren.» Im nächsten Jahr könnte Thomas Fuchs in Pension gehen, aber er hängt zwei Jahre an. «Ich bin seit 1989 in Herisau und beschäftigte mich im weitesten Sinne mit Regionalgeschichte. Ich entdecke immer wieder Neues und kann es der Nachwelt zugänglich machen.»

Die Sonderausstellung «Strassen und Brücken – Quer durchs Land» ist noch bis am 29. Dezember zu sehen. Das Museum Herisau hat jeweils Mittwoch bis Samstag zwischen 13 und 17 Uhr geöffnet. An den beiden Sonntagen vom 29. Oktober und 19. November findet um 10.45 Uhr eine öffentliche Führung mit Kurator Thomas Fuchs statt.


Eine Publikation der Gemeinde Herisau.

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