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Der Obstmarkt soll zur Bühne für das tägliche Leben werden

Mit der Neugestaltung sollen Obstmarkt und Platz den Dorfkern von Herisau noch besser zur Geltung bringen. Dafür setzt das Planungsteam auf wenige Gestaltungselemente, die es umso bewusster einzusetzen gilt.

  • Der Obstmarkt soll ein offener Platz werden und den bestehenden Gebäuden eine würdige Kulisse bieten. (Bild: zVg.)

    Der Obstmarkt soll ein offener Platz werden und den bestehenden Gebäuden eine würdige Kulisse bieten. (Bild: zVg.)

Der Obstmarkt bildet in vielerlei Hinsicht das Herz des Dorfes Herisau. Er ist Standort für den Markt, liegt eingebettet zwischen Regierungsgebäude und Kirche und stellt eine der grössten Freiflächen im Dorf dar. Als Kreuzungspunkt mehrerer Hauptverkehrsachsen erfüllt er darüber hinaus eine wichtige Funktion für den Verkehr. Dieser Verkehr nimmt heute eine dominierende Rolle ein und raubt dem Obstmarkt viel von seiner Attraktivität. Das Manko ist seit Jahrzehnten erkannt und wird von Einwohnerinnen und Einwohnern immer wieder beklagt. Dringender Handlungsbedarf ist auch hinsichtlich der Erneuerung von Belägen und Werkleitungen gegeben. Mit der nötigen Sanierung ist nun auch die Zeit gekommen, diesem wichtigen Ort ein neues Gesicht zu geben.

Platz und Obstmarkt aus einem Guss gestalten

Da der Sanierungsbedarf über den Obstmarkt hinausreicht, wurde der Projektperimeter auf den Platz und die Poststrasse bis hin zur Einmündung der Schmiedgasse ausgeweitet. Im Dezember hat der Einwohnerrat dem Kredit für die Ausarbeitung eines Vorprojektes Plus zugestimmt. Dieses schafft mit vertretbarem Aufwand die Grundlage, damit Einwohnerrat und Bevölkerung über das Projekt entscheiden können. Das Vorprojekt Plus soll bis Ende Jahr vom Gemeinderat verabschiedet werden und im März 2023 in den Einwohnerrat kommen. Eine Volksabstimmung wäre dann im Herbst 2023 möglich, die Umsetzung in den Jahren 2025 und 2026.

Pläne nehmen Gestalt an

Seit der Krediterteilung nimmt der Plan für die Umgestaltung Konturen an. Landschaftsarchitekt Tino Buchs tastet sich mit seinem interdisziplinären Team allmählich an ein abstimmungsreifes Projekt heran, zusammen mit Raum-, Verkehrs- und Lichtplanern sowie weiteren Spezialisten. «Heute brütet niemand mehr im stillen Kämmerlein über einem grossen Wurf. Zu einem guten Resultat kommt man im Team.» Seit Anfang Jahr seien bereits wesentliche Schritte erfolgt, sagt Tino Buchs: «Ein ganz grundsätzlicher: Unser Konzept aus dem Projektwettbewerb wurde auf seine Machbarkeit überprüft. Und es funktioniert.» Ausserdem sind Gespräche mit Anstössern geführt, das Projekt weitergetrieben und erste Pflöcke eingeschlagen worden. Buchs nennt ein Beispiel: «Die Bushaltestelle auf dem Obstmarkt zu platzieren, war eine grosse Herausforderung. Nun haben wir eine Lösung, welche vollumfänglich dem Behindertengleichstellungsgesetz entspricht und eine barrierefreie Wegverbindung von der Bushaltestelle bis zur Kirche ermöglicht.» Überdies entstehen an beiden Haltestellen gedeckte Wartebereiche.

Die Kunst der Zurückhaltung

Bei seiner Arbeit verfolgt das Team um Tino Buchs eine Leitidee: Der Obstmarkt soll ein offener Platz, eine Bühne für das alltägliche Leben werden und eine würdige Kulisse für die bestehenden Gebäude bieten, anstatt selber in den Vordergrund zu treten. «Der leere Platz bietet die Chance, den Raum neu zu beleben», sagt Buchs. Bespielt werde ein Platz von den Rändern her, etwa mit Sitzgelegenheiten an der Kirchenmauer oder unter dem neuen Baumhain und natürlich in den Restaurants mit Aussenbestuhlung. Es soll ein Platz für alle werden, auf dem sich auch Geh- und Sehbehinderte gut bewegen können. Die Bushaltestelle, erstellt nach den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes, wird in den Platz integriert, was Passantinnen und Passanten direkt auf den Obstmarkt bringt. Die angestrebte offene Fläche des Platzes erfordert einen sehr bewussten Einsatz der Gestaltungselemente wie der Pflanztöpfe für die Bäume, der Leuchtmasten oder der Pflästerung. Diese soll künftig von Obstmarkt bis Platz bis an die Hausfassaden heranreichen.

Regenwasser kann versickern

Unverzichtbar im Rahmen von Platzgestaltungen sind heute Überlegungen zu Klimawandel und Nachhaltigkeit. In städtischem Gebiet mit versiegelten Flächen und mangelnder Begrünung kommt es beispielsweise zu Hitzeinseln, die sich tagsüber stärker aufheizen und nachts langsamer abkühlen. Diesem sogenannten Urban-Heating-Effekt soll auf Obstmarkt und Platz eine ungebundene Pflästerung entgegenwirken, welche Regenwasser versickern und später wieder verdunsten lässt.

Bereits gibt es zudem Überlegungen, welche Materialien der bestehenden Beläge – etwa Pflastersteine – wiederverwertet werden können. Auch bei der Auswahl der Bäume, die in Pflanzinseln ein wichtiges Element der Platzgestaltung werden sollen, spielt der Klimawandel eine grosse Rolle: «Das urbane Umfeld ist für jeden Baum ein Extremstandort. Wir können dafür nur Baumarten verwenden, die auch in 50 Jahren den klimatischen Bedingungen noch gewachsen sind», sagt Buchs. Obstmarkt und Platz sollen in jeder Hinsicht fit für die Zukunft gemacht werden.

Eine Publikation der Gemeinde Herisau.

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