Zürchersmühle
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Naturverbund AI: Sorge um Artenvielfalt

Letzten Mittwoch, 20. Juni, trafen sich die Delegierten des Naturverbundes Appenzell Innerrhoden (NVAI) zur 19. Jahresversammlung in Zürchersmühle. Im Mittelpunkt stand die Biodiversität. Ruedi Angehrn vom WWF St. Gallen-Appenzell wurde neu in den Vorstand gewählt.

  • Das ist die Legende
    Erfreulich-wohltuende Blumenpracht im Garten. (Bilder: zVg)
  • Das ist die Legende
    Hans Neff schöpft aus einem reichen Wissens- und Erfahrungsschatz.

Auf dem Biohof von Hans Neff bestaunten die Vertreter verschiedener Organisationen die Vielfalt an heimischen, aber meist selten gewordenen und daher unbekannten Blumen, Gemüsen, Beeren, Sträuchern und Obstbäumen, teils in Blüte, teils bereits reich mit Früchten behangen, von der gelben Himbeere bis zum rosa Holunder. Auch die Appenzeller Hühner und das Rätische Grauvieh fehlten nicht.

Vorstandsmitglied Bruno Fässler analysierte die Situation der Biodiversität in Innerrhoden. Auf den ersten Blick scheint die Welt noch heil zu sein. Gewisse Arten wie Steinwild, Hirsch und Luchs haben sich nach deren Ausrottung sogar wieder angesiedelt. Andere wie das Auerhuhn oder der Feldhase sind oder waren vom Aussterben bedroht. Die frühere Blumenpracht auf den Wiesen weicht im weiten Land nach dem gelben Kleid der «Maienblumen» mindestens im Tal für den Rest des Jahres grüner Monokultur. Nur noch kleine Restflächen oder Schutzgebiete bleiben vor der intensiven Bewirtschaftung verschont. Selbst in den Wohngebieten dominiert der perfekte Rasen, oft geschnitten durch Roboter, der grossen Gefahr für Igel und Katzen. Statt Blumen und Gemüse machen sich mancherorts pflegeleichte, aber ökologisch wenig wertvolle Steingärten breit. Das Fazit ist ernüchternd bis alarmierend. Nur gemeinsam kann etwas Gegensteuer gegeben werden. Im Übrigen ist festzustellen, dass früher als Kompromisse eingegangene Beschränkungen und Rücksichtnahmen bei Erschliessungen und Bewirtschaftungen wieder in Frage gestellt werden.

Der Vorstand hat mit dem kantonalen Bauamt und mit dem Bauherrn Gespräche geführt und verschiedene Anliegen, unter anderem in Sachen Biodiversität, vorgetragen. Eine kleine Fläche im Eigentum des Kantons wird neu als Pilotprojekt schonend bewirtschaftet. Auch soll auf Herbizideinsatz verzichtet werden. Verbesserungspotential wird auch bei den Gemeinden und Korporationen gesehen. Neben der Landwirtschaft und der Öffentlichkeit sind auch die Privaten mit ihren Freiräumen und Gärten gefordert. Jeder hat Möglichkeiten, in seinem Bereich konkret etwas zu unternehmen, vom bewussten Konsum bis zu gezielter Bepflanzung. Der Naturverbund versucht weiterhin zu sensibilisieren für die Biodiversität auch in Innerrhoden. Danebst verfolgt er aufmerksam Entwicklungen und Projekte.

Zur Zeit gehören dem NVAI zehn Organisationen an, welche im Bereich von Natur und Umwelt tätig sind. Zweck des Zusammenschlusses sind die Vernetzung und der gegenseitige Austausch. Nötigenfalls sollen die Interessen bei Behörden und anderweitig gemeinsam vertreten werden. Der Naturverbund wurde 1999 ins Leben gerufen im Gefolge einer grossen erfolgreichen Ausstellung zum «Lebensraum Alpstein». Erste Präsidentin bis 2001 und wiederum von 2010 bis 2014 war Hedi Gmür-Müller aus Gonten; sie ist im September 2017 verstorben. Die Versammlung gedachte ihrer in Würdigung ihres jahrzehntelangen pionierhaften, vielfältigen und unentwegten Einsatzes für Natur und Umwelt von Innerrhoden.